Immer wieder sonntags präsentiert das Brickboard einen besonderen Brickfilm. Du möchtest auch mal einen Stop Motion Sonntag schreiben? So geht's!
Es ist wohl nicht übertrieben, zu sagen, dass Bionicle ein Wendepunkt in Legos Geschichte war. Zusammen mit der kurz zuvor gestarteten Star Wars-Lizenz zog das Thema Lego aus der finanziellen Krise Ende der 1990er, und trug maßgeblich dazu bei, Legos Herangehensweise an Storytelling und Multimedia zu dem zu machen, was sie heute ist. Zum ersten Mal sahen wir hier ein Lego-eigenes Thema mit einer fantastischen, tief ausgearbeiteten Welt, die über mehr als ein Jahrzehnt immer neue, spannende Charaktere und miteinander verwobene Geschichten produzierte, und diese natürlich in Lego-Sets, aber auch über Comics, Bücher, Computerspiele und weitere Medien verteilt erzählte. Bionicle legte in den 2000er-Jahren den Grundstein für das, was Ninjago heute ist.
Wie besonders Bionicle war lässt sich auch daran erkennen, wie groß und aktiv die Fangemeinschaft um Bionicle auch in 2025 noch ist. Noch immer werden von Fans fleißig eindrucksvolle MOCs gebaut, werden ganze Computerspiele entwickelt, und werden auch Brickfilme gemacht, was uns zum heutigen Stop Motion Sonntag führt!
"Onua vs Lewa" verfilmt eine Szene aus den Comics, die einen Teil der Geschichte der originalen Toa erzählen. Toa Onua sucht im Dschungel von Le-Wahi nach Toa Lewa, findet aber zuerst nur Lewas Maske, sowie einen reglosen Bohrok ohne seine Krana. Das lässt auf kein freudiges Wiedersehen hoffen...
Was bei diesem Film als Erstes ins Auge springt, sind die Kulissen. Die Größe der Toa-Figuren macht es schwierig, passende Kulissen aus Lego zu bauen, stattdessen werden echte Baumzweige, Erde und braune Knete verwendet, um den Dschungel von Le-Wahi nachzubilden. Außerdem beeindruckt direkt am Anfang eine computergenerierte Version des Dschungels aus der Vogelperspektive, die so nahtlos in die echte Kulisse übergeht, dass ich mehrfach hin und her spulen musste, um den Übergang zu finden, und am Ende trotzdem daneben lag 🤯 An dieser Stelle sei auch auf das sehr interessante, zweiteilige Making-Of verwiesen: Teil 1, Teil 2
Der Erdboden aus Knete spielt auch eine Rolle im Kampf zwischen den zwei Toa. Als Toa der Erde manipuliert und formt Onua diese nach seinem Willen, um sich nicht selbst die Krallen schmutzig machen zu müssen - seinen Gegner dagegen sehr wohl. Die durch die Erde wandernden Schockwellen und Backpfeifen verteilende Erdtürme sind toll anzusehen.
Neben dem Setbau verkomplizieren die Größe sowie die eingeschränkte Artikulation der ersten Toa-Figuren auch die Animation an sich. Kleinere Umbauten an den Figuren und clevere Positionierung der Kamera leisten hier ganze Arbeit, um das Endergebnis trotzdem natürlich wirken zu lassen. Der Film hat keine Dialoge, aber das ist auch gar nicht nötig, wenn die Körpersprache der Charaktere bereits Bände spricht.
Und wo wir gerade bei Bänden sind - bevor ich hieraus noch einen ganzen Roman mache, beende ich die Abhandlung an dieser Stelle, und wünsche euch viel Spaß mit "Onua vs Lewa":